Studie stellt Nutzen von Anlageberatung in Frage
Jeder Aktienanleger steht heutzutage vor der Entscheidung, ob man Aktien über einen Online-Broker oder die eigene Hausbank handelt. Die zahlreichen Vor- und Nachteile werden auf hunderten Internetseiten ausführlich erläutert.
Kurz zusammengefasst: Filialbanken bieten eine persönliche Anlageberatung an – unbedarfte Anleger können sich hier ausführlich informieren lassen, welche Finanzprodukte am besten zu ihren Bedürfnissen passen. Für persönliche Beratung ist jedoch Personal erforderlich, und dieses ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Die Kosten werden auf den Kunden übergewälzt, der für Wertpapier-Transaktionen dementsprechend mehr Gebühren bezahlen muss.
Bei Online-Brokern ist diese Beratung üblicherweise nicht möglich – mehr als allgemein gehaltene Tipps gibt es hier nicht. Es wird somit wesentlich weniger Personal benötigt, und das ermöglicht es den Anbietern, wesentlich geringere Gebühren zu verlangen. Allerdings muss auch dazu gesagt werden, dass die Kunden nicht ganz im Regen gestanden werden. Der österreichische Online-Broker Brokerjet bietet beispielsweise eine Reihe von Seminaren an, wo sich Kunden das nötige Know-How holen können – dabei zahlen nur diejenigen, die dieses Angebot tatsächlich in Anspruch nehmen.
Das Argument bezüglich der Anlageberatung beginnt jedoch zu bröckeln. Eine neue Studie der Universitäten Frankfurt am Main und Neapel kommt zu dem Ergebnis, dass Nutzer von Online-Brokern im Durchschnitt mindestens genauso hohe Renditen erzielen wie Kunden von Anlageberatern. Die Ursache wird dabei nicht im mangelhaften Know-How der Berater gesehen, sondern in einer falschen Anreizstruktur. Der Kundennutzen würde hier oftmals nicht an oberster Stelle stehen, sondern die erhaltenen Provisionen.
Doch auch diese Studie ist kritisch zu betrachten. Denn Nutzer von Online-Brokern sind meist Personen, die sich mit Finanzprodukten genauer auseinandergesetzt haben und ihre Geschäfte selbst in die Hand nehmen können. Die Welt der Finanzen ist jedoch kompliziert und die Mehrheit der Sparer und Kleinanleger hat keinerlei Kenntnis. Diese würden ohne Beratung in den meisten Fällen wohl deutlich schlechter aussteigen.
